Barock und Rokoko

Die Mode des Barock (ca. Ende 16.Jhdt. – 1720)

Es wurde eine Vielzahl von Unterröcken getragen, die die Hüfte
betonen sollten. Das Korsett ließ an Starrheit nach; Ärmel wurden
bauschig und weit. Das Decolleté war tief und breit und ließ den oberen
Teil der hochgedrückten Brust sehen. Im Verlauf des 17. Jh. wurde das
Decolleté immer breiter und ovaler, wärend das Mieder immer steifer
wurde.

Den Damen war das steife Korsett nach einer Weile wieder über, so daß
sie außerhalb des Hofes am liebsten lose, mantelartige Gewänder trugen,
die nur durch von einem Gürtel gehaltene Falten auf Figur gebracht
wurden. Trotzdem mangelte es dem Manteau durchaus nicht an Eleganz, denn
der Rock wurde seitlich zurückgenommen, den schönen Unterrock zeigend,
und fiel hinten in einer sorgfältig gefältelten Schleppe herab. Dazu
wurde viel feine Nadelspitze getragen. Den Kopf zierte eine Haube mit
Schleifen und Spitze, die mit Hilfe von Draht immer höher getürmt wurde –
die Fontange.

Die Mode des Rokoko (ca. 1720 – 1770)

Der Name “Rokoko” geht zurück auf das französische Wort rocaille für Muschel was für die Epoche so typisch ist.

Die Kleidung der Dame war geprägt vom Reifrock, der wegen seiner
Ähnlichkeit mit Hühnerkörben Panier genannt wurde. Im Lauf der
Jahrzehnte änderte sich seine Form von kegel- über kuppel- und
trapezförmig hin zu eckig und dann zur ovalen Kuppel. Die Ärmel waren
ellbogenlang und endeten in flügeligen Aufschlägen, später (etwa ab
1750) auch in Volants. An Ausschnitt und Ellenbogen wurden
Spizenverzierungen des Unterhemdes sichtbar. An Stoffen bevorzugte man
leichte Seidentafte und Damast in zumeist hellen, pastelligen Tönen. Am
Anfang waren großfigurige Blumenmuster beliebt, später wurden die Muster
kleiner und gegen Ende der Epoche gern mit Streifen kombiniert

Anfangs ließen sich die Damen ihr eigenes Haar pudern, aufstecken und
mit einem Häubchen, Schleifen, Juwelen etc. verzieren. Auch das
Schminken, der Gebrauch von Schönheitspflästerchen und Parfüm und
kleinteilige Verzierungen auf den Kleidern waren zunächst noch eher
zurückhaltend und nahmen erst im Verlauf des Jahrhunderts mit der
stärker aufkommenden Moder der Prachtentfaltung zu.

Im späten Rokoko, etwa gleichzusetzen mit der Regierungszeit Ludwig
XVI, läßt die Mode eine Neigung zur Übertreibung erkennen. Die Frisuren
waren so hoch und kompliziert, daß nun auch die Damen schon allein der
Bequemlichkeit halber zu Perücken griffen. Diese wurden dann über
Drahrgestellen drapiert und mit Perlen, Blumen, Federn und anderem
Zierat beladen. Dazu wurde eine neue Gewandform getragen, die Polonaise:
Die Robe wurde hinten hochgerafft und durch ein Polster gestützt, was
ein übergroßes Hinterteil bewirkte, Cul de Paris genannt.

Hofkultur –Die Fächersprache

Die Fächersprache ist die galanteste Sprache der Welt. Der Fächer war
ein anmutiges Instrument der Selbstdarstellung, und so konnte jede
Gefühlsregung mit seiner Hilfe klar und graziös ausgedrückt werden,
wobei jede Geste ihre eigene, zugeordnete Bedeutung erhielt.

Bereits im 17. Jahrhundert wurde diese Sprache in Spanien entwickelt und in anderen europäischen Ländern begeistert aufgenommen.

Nicht nur wichtig für die Dame, auch der Kavalier sollte sie
verstehen sonst wird es wohl zu einigen Missverständnissen,
Versäumnissen und verpassten Gelegenheiten kommen!

Aber beachten: Nicht jede Bewegung mit dem Fächer ist von der Dame bewusst ausgeübt ! Oder vielleicht doch?

Begrüßung

Linke Hand vor dem Gesicht haltend Ich suche Bekanntschaft

Offen in der linken Hand halten Komm und unterhalte Dich mit mir

Finger am äußeren Rand Ich möchte Dich sprechen

Rechte Hand vor dem Gesicht halten Folge mir

Konversation

Über die Stirn gleiten lassen Du hast Dich verändert

Auf der rechten Wange ruhen lassen ja

Auf der linken Wange ruhen lassen nein

Langsam fächelnd Ich bin verheiratet

Schnell fächelnd Ich bin verlobt

Über die Augen gleiten lassen Verzeih mir bitte

Mit der rechten Hand flattern lassen Ich liebe einen anderen

Über die Wange gleiten lassen Ich liebe Dich

Geschlossen präsentierend Liebst Du mich?

Auf die Lippen legend (oder: doppelt durch die Hand ziehen) Küsse mich

In der rechten Hand tragend Du bist verwegen

Durch die Hand ziehend Ich hasse Dich

Öffnen und schließen Du bist grausam

In der linken Hand flattern (oder rechtes Handgelenk kreisen)Wir werden beobachtet

Abschied

An das linke Ohr haltend Ich möchte, daß Du mich in Ruhe lässt

Hängen lassen Wir bleiben Freunde

Anzahl der Stäbe Angabe der Uhrzeit für Verabredung

Weit öffnend Warte auf mich

Hinter den Kopf haltend Vergiß mich nicht

Mit abgespreiztem kleinen Finger haltend Auf Wiedersehen

Tänze

Sarabande, Passacaille, Allemande, Bourree, Passepied , Gavotte, …

Barock
Zur Zeit des Barock lag das Zentrum des Tanzes und seiner Entwicklung in
Paris, wo besonders der tanzbegeisterte König Ludwig der Vierzehnte
diese Kunstform förderte und eigens eine Tanzakademie mit staatlich
besoldetem Tanzmeister einrichtete. Durch diese Spezialisierung entstand
allmählich eine Trennung von Gesellschafts- und Bühnentanz, die jedoch
oft noch die gleichen Elemente enthielten.

Grundsätzlich galt: Jeder, der bei Hofe verkehrte, konnte tanzen, und
so können wir auch bei jedem Komponisten dieser Zeit, der
beispielsweise in einer Suite für Kammerorchester ein Stück mit
„Menuett“ überschreibt, davon ausgehen, daß er wußte, wie man zu dieser
Musik tanzen mußte..

Bei Hofe und auf Gesellschaften hingegen tanzte man weniger Solotänze
als in der Gruppe: Häufig diente eine sogenannte „Englische Gasse“, bei
der die Herren den Damen gegenüber stehen, als Ausgangspunkt für
komplizierte Schrittfolgen auf sich überschneidenden Raumwegen.

Rokoko
Die Beliebtheit von Solotänzen ließ nach, zwar wurden weiterhin Musiken
hierfür geschrieben, doch griff man häufig auf Tänze des Barock zurück,
die man nur leicht veränderte.
In den Gruppentänzen entstand die neuartige Form des Cotillon. Hierbei
stehen vier Paare auf den Seiten eines Quadrats. Jedes Paar hat eine
bestimmte Choreografie auszuführen, so daß der gemeinsame Tanz ein
kompliziertes Muster ergibt.

Mit dem Aufkommen revolutionären Gedankenguts wurde der Maskenball
beliebt, in dem durch die Verkleidung der Person einerseits die
Standesunterschiede aufgehoben wurden, andererseits die Möglichkeit
gegeben war, unerkannt zu bleiben.
Allein in Wien entstanden zahlreiche Redoutensäle, und unter Joseph II.
wurden die Beschränkungen, die zunächst zum Schutze hochgestellter
Persönlichkeiten dienten, weitestgehend aufgehoben. Regel blieb aber,
daß alle Teilnehmer maskiert zu erscheinen hatten.